Übergewicht bei Katzen – wie du es erkennst und was deiner Samtpfote wirklich hilft
Schätzungen zufolge ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile fast jede zweite Katze übergewichtig – und viele Halterinnen und Halter bemerken es nicht einmal. Das liegt daran, dass wir uns an rundere Katzen gewöhnt haben und weil die Gewichtszunahme schleichend passiert. Dabei kann Übergewicht bei Katzen ernste gesundheitliche Folgen haben und die Lebenserwartung deutlich verkürzen.
Hier erfährst du, wie du erkennst, ob deine Katze zu dick ist, welche Ursachen hinter dem Übergewicht stecken können und wie du deiner Samtpfote sicher und schonend beim Abnehmen hilfst.
Ist meine Katze zu dick? So erkennst du Übergewicht
Anders als beim Menschen gibt es für Katzen keinen einfachen BMI-Rechner. Das Idealgewicht hängt stark von Rasse, Größe und Geschlecht ab. Als Orientierung: Europäische Hauskatzen haben ein durchschnittliches Idealgewicht von etwa 3,5 bis 5 kg – Kater sind dabei in der Regel schwerer als Kätzinnen.
Der Body Condition Score (BCS) ist die zuverlässigste Methode zur Einschätzung, ob deine Katze ein gesundes Gewicht hat:
Rippen-Test: Lege deine Hände sanft an den Brustkorb deiner Katze. Bei Idealgewicht sind die Rippen leicht tastbar, aber nicht sichtbar. Kannst du sie kaum oder gar nicht fühlen, ist zu viel Fett darüber.
Blick von oben: Eine gesunde Katze hat eine erkennbare Taille hinter dem Brustkorb. Fehlt diese Einschnürung und wirkt der Körper oval oder rund, kann das auf Übergewicht hinweisen.
Blick von der Seite: Die Bauchlinie sollte leicht aufsteigend von den Rippen zur Hüfte verlaufen. Hängt der Bauch nach unten oder verläuft parallel zum Boden, ist das ein Warnsignal.
Weitere Zeichen: Filziges Fell am Rücken oder im Schwanzbereich (die Katze erreicht diese Stellen beim Putzen nicht mehr), eingeschränkte Sprungfreude, Trägheit und Bewegungsunlust.
Eine Katze gilt als übergewichtig, wenn sie 15 bis 20 Prozent über ihrem Idealgewicht liegt. Über 30 Prozent sprechen Tierärzte von Adipositas.
Die häufigsten Ursachen für Übergewicht bei Katzen
Wie beim Menschen entsteht Übergewicht bei Katzen, wenn mehr Energie zugeführt wird als verbraucht wird – die Überschussenergie landet in Fettdepots.
In den meisten Fällen liegt die Ursache beim Futter: Empfehlungen auf Verpackungen sind Durchschnittswerte und berücksichtigen individuelle Faktoren wie Alter und Aktivitätslevel oft nicht.
Dazu kommen Leckerlis, die gut gemeint sind, sich aber schnell zu einer erheblichen Mehrkalorienmenge summieren – vor allem wenn Bettelverhalten konsequent mit Futter beantwortet wird.
Ein häufig unterschätzter Faktor ist die Kastration. Danach sinkt der Energiebedarf der Katze, während der Appetit durch hormonelle Veränderungen gleichzeitig steigt – kastrierte Katzen brauchen deshalb oft deutlich weniger Futter als vorher. Wohnungskatzen ohne Freigang bewegen sich zudem generell weniger als Freigänger und verbrennen entsprechend weniger Kalorien.
Ab etwa fünf Jahren verlangsamt sich der Stoffwechsel vieler Katzen zusätzlich, was das Risiko weiter erhöht.
Auch die Ernährungszusammensetzung spielt eine wichtige Rolle: Katzen sind obligate Karnivoren und verwerten Kohlenhydrate nur schlecht. Ein zu hoher Getreide- oder Kohlenhydratanteil im Futter kann langfristig zu Übergewicht beitragen – artgerechtes Katzenfutter sollte deshalb hauptsächlich aus tierischem Protein bestehen.
Manche Rassen wie die Britisch Kurzhaar haben darüber hinaus eine genetische Neigung zu Übergewicht, was bei der Futterdosierung besonders berücksichtigt werden sollte.
Welche Folgen hat Übergewicht bei Katzen?
Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung deiner Katze und mindert ihre Lebensqualität erheblich. Mögliche Folgeerkrankungen:
- Diabetes mellitus (Typ-II-Diabetes)
- Gelenk- und Arthroseprobleme
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Leber- und Nierenprobleme
- Erkrankungen der Harnwege
- Atemprobleme und eingeschränkte Beweglichkeit
- Hepatische Lipidose (Leberverfettung) – besonders gefährlich, wenn eine übergewichtige Katze plötzlich aufhört zu fressen
So hilft deine Katze beim Abnehmen – und was du unbedingt beachten musst
Das Wichtigste vorweg: Lass deine Katze niemals hungern!
Wenn eine Katze – besonders eine übergewichtige – länger als 24 Stunden nichts frisst, droht eine lebensbedrohliche Leberverfettung (hepatische Lipidose). Der Körper mobilisiert Fettreserven, die die Leber nicht verarbeiten kann und die zu akutem Leberversagen führen können. Lieber das alte Futter weiter füttern als die Katze hungern lassen.
Tierarzt zuerst: Vor jeder Diät sollte ein Gesundheitscheck stattfinden. So können Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen und ein individueller Diätplan erstellt werden.
Das richtige Tempo: Katzen sollten maximal 0,5 bis 2 Prozent ihres Körpergewichts pro Woche abnehmen. Eine 5-kg-Katze also maximal 25 bis 100 Gramm pro Woche. Zu schnelles Abnehmen ist gefährlich!
Mehr Bewegung: Mehrmals täglich 15 bis 20 Minuten aktives Spielen hilft dabei, Kalorien zu verbrennen und Muskelmasse aufzubauen. Auch Futterverstecke in der Wohnung oder ein Snackball fördern die Aktivität. Hier findest du unser praktisches Spielzeug, aktives Sielen kann beim Abnehmen helfen!
Kleinere, häufigere Mahlzeiten: Anstatt einer großen Mahlzeit lieber zwei bis drei kleinere Portionen über den Tag verteilen. Das reduziert Hungerstress und stabilisiert den Blutzucker.
Sinnvolle Leckerlies: Leckerlis sollten unbedingt in die tägliche Kalorienmenge eingerechnet werden. Viele handelsübliche Snacks enthalten versteckten Zucker, Füllstoffe oder minderwertige Zutaten, die eine Diät schnell sabotieren. Greife stattdessen zu Snacks mit transparenter Zutatenliste und magerem Fleisch als Hauptzutat.
Unsere knusprigen Hühnerhäppchen bestehen zu 70 % aus Huhn und Obst – ohne versteckten Zucker, ohne Füllstoffe, nur das was wirklich drin sein sollte.
Das richtige Futter: Einfach weniger vom bisherigen Futter zu geben reicht nicht – so entstehen Nährstoffmängel.
Kalorienreduziertes Diätfutter mit hohem Proteinanteil (30 bis 40 % Rohprotein in der Trockensubstanz) hat sich bewährt. Protein sättigt gut, schont die Muskelmasse und unterstützt den Stoffwechsel.
Bei miba setzen wir auf einen hohen Fleischanteil und hochwertige, natürliche Zutaten ohne unnötige Kohlenhydrate – genau das, was Katzen als obligate Karnivoren benötigen. Hier findest du unser Katzenfutter.
Häufige Fragen zu Übergewicht bei Katzen
Was tun bei Übergewicht bei Katzen?
Der erste Schritt ist immer ein Besuch beim Tierarzt – so können Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen und ein individueller Diätplan erstellt werden. Danach geht es darum, die tägliche Kalorienzufuhr zu senken: auf kalorienreduziertes, proteinreiches Futter umstellen, Leckerlis konsequent miteinrechnen und die Bewegung durch tägliches Spielen erhöhen.
Wichtig: Niemals einfach weniger vom bisherigen Futter geben – das führt zu Nährstoffmängeln. Und niemals die Katze hungern lassen – das kann zu einer lebensbedrohlichen Leberverfettung führen.
Ist 5 Kilo zu viel für eine Katze?
Das kommt ganz auf die Katze an. Für eine große europäische Hauskatze oder einen Kater kann 5 kg durchaus Idealgewicht sein. Für eine zierliche Kätzin hingegen wäre es bereits Übergewicht.
Entscheidend ist nicht die Zahl auf der Waage, sondern der Body Condition Score (BCS): Kannst du die Rippen deiner Katze mit leichtem Druck ertasten und ist von oben eine Taille erkennbar? Dann ist das Gewicht wahrscheinlich in Ordnung. Bist du unsicher, fragt am besten dein Tierarzt.
Wie schaffe ich es, dass meine Katze abnimmt?
Mit Geduld, dem richtigen Futter und mehr Bewegung. Stelle auf ein kalorienreduziertes Futter mit hohem Proteinanteil um – das sättigt gut und schont die Muskelmasse. Verteile die Tagesration auf zwei bis drei kleinere Mahlzeiten statt einer großen Portion. Aktiviere deine Katze mehrmals täglich mit 15 bis 20 Minuten Spielen, Futterverstecken oder einem Snackball oder unserem Snackfisch.
Das Wichtigste: Katzen dürfen niemals fasten – eine zu schnelle Gewichtsabnahme ist lebensgefährlich. Maximal 0,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche ist das empfohlene Tempo.
Wie gefährlich ist Übergewicht bei Katzen?
Sehr gefährlich – und leider wird es von vielen Halterinnen und Haltern unterschätzt. Laut einer Studie von Flanagan et al. (2018), veröffentlicht in PLOS ONE, haben stark übergewichtige Katzen eine um durchschnittlich 1,9 Jahre kürzere Lebenserwartung als normalgewichtige Tiere.
Übergewicht erhöht das Risiko für Diabetes, Arthrose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Harnwegserkrankungen und Leberverfettung erheblich.
Besonders gefährlich: Hört eine übergewichtige Katze plötzlich auf zu fressen, kann innerhalb kurzer Zeit eine lebensbedrohliche hepatische Lipidose entstehen.
Quellen
Kölle, P., Böswald, L., Zeugner, A., & Zentek, J. (2023). Adipositas bei Hund und Katze – ein unterschätztes Tierschutzproblem. Der Praktische Tierarzt, 104(1), 20–31. https://www.vetline.de/adipositas-bei-hund-und-katze-ein-unterschaetztes-tierschutzproblem
German, A. J. (2022). Adipositas bei Kleintieren: neue Herausforderungen, neue Lösungen. VetFocus – Royal Canin Wissenschaftsjournal. https://vetfocus.royalcanin.com/de/wissenschaft/adipositas-bei-kleintieren-neue-herausforderungen-neue-losungen
Flanagan, J., et al. (2018). An international multi-centre cohort study of weight loss in overweight cats: Differences in outcome in different geographical locations. PLOS ONE, 13(7), e0200414. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0200414
Sommese, A., & Windschnurer, I. (2025). Lebensqualität von Katzen: Studie bewertet Einschätzungen von Tierhalter:innen. Vetmeduni Wien / Thieme Tiermedizin. https://tiermedizin.thieme.de/aktuelles/vet-news/detail/ist-meine-katze-gluecklich-2319