Hund aus dem Ausland adoptiert – was jetzt beim Futter beachten?
Ein Hund aus dem Auslandstierschutz ist oft ein mutiger Schritt – und ein wunderschöner.
Aber er bringt Fragen mit sich, die viele Halterinnen und Halter zunächst unterschätzen: Was hat mein Hund bisher gefressen? Ist er gesund? Und wie ernähre ich ihn jetzt richtig?
Dieser Artikel gibt dir einen fundierten Überblick – über Mittelmeerkrankheiten, Eingewöhnungsernährung und die richtige Futterumstellung für Hunde aus dem Tierschutz.
Woher kommen Tierschutzhunde und was bedeutet das für ihre Gesundheit?
Jährlich werden in Deutschland Tausende Hunde aus dem Ausland vermittelt - vor allem aus Spanien, Griechenland, Rumänien, Ungarn, Portugal, Italien und der Türkei.¹ Viele dieser Tiere waren obdachlos oder lebten unter schwierigen Bedingungen in überfüllten Tierheimen, bevor sie nach Deutschland transportiert wurden.
Das bedeutet für ihre Gesundheit: Sie haben in Regionen gelebt, in denen Infektionskrankheiten vorkommen, die in Deutschland kaum bekannt sind – sogenannte Mittelmeerkrankheiten oder Reisekrankheiten. Gleichzeitig waren viele dieser Hunde oft mangelernährt, unter Dauerstress oder mit Parasiten belastet. All das hat Spuren hinterlassen – und das zeigt sich auch im Verdauungstrakt und im Immunsystem.
Mittelmeerkrankheiten: Was du wissen musst
Zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Hunden aus dem Ausland zählen laut ESCCAP Deutschland (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) folgende Erkrankungen:²
Leishmaniose
Übertragen durch Sandmücken (Phlebotomus spp.), verursacht durch den einzelligen Parasiten Leishmania infantum. Die Inkubationszeit kann Monate bis Jahre betragen – viele Hunde wirken bei Ankunft völlig gesund. Typische Symptome sind Haarausfall, Hautveränderungen, Gewichtsverlust und Nierenschäden. Die Krankheit ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. In Endemiegebieten wie Südspanien, Griechenland oder Portugal können bis zu 20–60 % der Hunde betroffen sein.³
Ehrlichiose
Bakterielle Infektion (Ehrlichia canis), übertragen durch die Braune Hundezecke. Kann in eine chronische Form übergehen, die das Knochenmark schädigt und zur Niereninsuffizienz führt – weshalb sie auch als „silent killer" bezeichnet wird. Symptome: Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten, Blutungsneigung.²
Babesiose
Parasitäre Infektion der roten Blutkörperchen, übertragen durch Schild- und Buntzecken. Verläuft oft rasant mit Fieber, Appetitlosigkeit und rotgefärbtem Urin. Ohne schnelle Behandlung kann die Krankheit tödlich enden.²
Anaplasmose
Bakterielle Erkrankung, ebenfalls durch Zecken übertragen. Häufig zunächst milde Symptome – was die Diagnose erschwert und eine frühzeitige Blutuntersuchung umso wichtiger macht.
Herzwurm (Dirofilariose)
Übertragen durch Stechmücken, befallen die Herzwürmer Herz und Lunge des Hundes. Besonders verbreitet in Südeuropa und Nordafrika. Eine Behandlung ist möglich, aber aufwendig.
Welche Untersuchungen sollte ich direkt veranlassen?
Ein seriöser Tierschutzverein liefert bei der Übergabe einen Impfausweis und – im besten Fall – einen Schnelltest (z. B. 4D-SNAP-Test), der auf Leishmaniose, Dirofilariose, Ehrlichiose und Anaplasmose testet. Dieser ersetzt jedoch nicht den vollständigen Mittelmeercheck beim Tierarzt, der zusätzlich ein großes Blutbild, eine PCR-Untersuchung und gegebenenfalls weitere Tests umfasst.
Ein kleiner Tipp: Welche Tests besonders wichtig sind, hängt auch davon ab, woher dein Hund kommt. Ein Hund aus Rumänien oder Ungarn bringt andere Risiken mit als einer aus Südspanien oder Griechenland.
- Spanien, Portugal, Griechenland, Süditalien: Hohes Leishmaniose-Risiko durch Sandmücken – dieser Test ist hier besonders wichtig
- Rumänien, Ungarn, Bulgarien: Höheres Risiko für Ehrlichiose, Babesiose und Herzwurm durch Zecken und Stechmücken
- Türkei, Nordafrika: Kombination aus beiden, Herzwurm besonders relevant
Sag deinem Tierarzt, woher dein Hund kommt – das hilft, die richtigen Tests gezielt anzuordnen, ohne unnötig viel zu testen.
Ein Wiederholungstest nach 6–12 Wochen ist in jedem Fall sinnvoll, da manche Erreger direkt nach der Ankunft noch nicht serologisch nachweisbar sind.¹
Was hat mein Hund bisher gefressen – und warum ist das relevant?
Die meisten Tierschutzhunde haben zuvor sehr uneinheitlich gefressen: Spendenüberschüsse, wechselnde Futterarten, manchmal Abfälle oder gar nichts. Das bedeutet:
- Ihre Darmflora ist häufig belastet und reagiert empfindlich auf Veränderungen
- Ihr Immunsystem ist geschwächt – durch Stress, Mangelernährung oder Infektionen
- Sie können Nährstoffdefizite aufweisen, besonders bei Omega-3-Fettsäuren, Zink und Vitaminen
Das hat direkte Auswirkungen auf die Futterwahl. Ein Hund, dessen Darm und Immunsystem bereits gefordert sind, braucht kein Abenteuer im Napf – sondern Beständigkeit, Verträglichkeit und Nährstoffdichte.
Sind Tierschutzhunde anfälliger für Unverträglichkeiten?
Das hört man oft – aber stimmt es so?
Ganz klar allergischer im wissenschaftlichen Sinne sind Straßenhunde nicht. Echte Futtermittelallergien entstehen durch eine Immunreaktion auf ein bestimmtes Protein und dafür gibt es keinen Beleg, dass sie bei Tierschutzhunden häufiger auftreten als bei anderen.⁷
Was aber stimmt: Viele Tierschutzhunde aus dem Ausland haben in ihrer Vergangenheit ständig wechselndes, oft minderwertiges Futter gefressen – manchmal alles durcheinander, manchmal tagelang gar nichts. Das hinterlässt Spuren. Der Darm ist nicht unbedingt sensibilisiert, aber er ist schlicht aus dem Gleichgewicht geraten: Die Darmflora ist instabil, die Schleimhaut ist gereizt, und die Verdauungsenzyme sind auf ganz anderes konditioniert als auf das hochwertige Futter, das du jetzt anbieten möchtest.
Das Ergebnis kann sich ähnlich anfühlen wie eine Allergie – Durchfall, weicher Kot, Blähungen, Futterverweigerung – ist aber in den meisten Fällen eine vorübergehende Unverträglichkeit, die sich mit Geduld, Routine und dem richtigen Futter legt.
Was das für die Futterwahl bedeutet: Weniger ist mehr. Ein Futter mit einer einzigen, gut verdaulichen Proteinquelle (Monoprotein) gibt dem Darm die Chance, sich zu erholen und dir die Möglichkeit, klar zu sehen, was dein Hund verträgt und was nicht. Keine langen Zutatenlisten, keine unnötigen Zusatzstoffe, hochwertige und ausgewogene Zusammensetzung.
Ernährung in der Eingewöhnungsphase: Erst ankommen lassen
Experten und Ernährungsberater für Tierschutzhunde sind sich einig: Die Futterumstellung sollte nicht sofort beginnen.⁴
Ein frisch angekommener Hund steht unter enormem Stress – neues Zuhause, neue Menschen, neue Geräusche, vielleicht neue Artgenossen. Dieser Stress belastet den Magen-Darm-Trakt zusätzlich. Wenn du in dieser Phase das Futter wechselst, stapeln sich die Belastungen.
Empfehlung für die ersten 1–2 Wochen:
- Fütter, womit der Hund aus dem Tierheim gekommen ist – sofern bekannt
- Falls unbekannt: Starte mit einer leicht verdaulichen Schonkost (z. B. mageres Hühnchen mit Kartoffel oder ein entsprechendes Fertigfutter)
- Kein Barf, keine große Futterumstellung in dieser Phase
- Feste Fütterungszeiten helfen, Sicherheit und Routine zu geben
Die Futterumstellung: Schritt für Schritt
Wenn der Hund angekommen ist, sich wohlfühlt und der Tierarztcheck keine akuten Erkrankungen zeigt, kannst du mit der Umstellung beginnen – schrittweise über 10–14 Tage.⁵
Mehr Infos, wichtige Tipps und Hinweise findest du in unserem Blogbeitrag "Futterumstellung bei Hund und Katze - so gelingt der Wechsel zum neuen Futter"
Bei empfindlichen Hunden kann die Umstellung auch länger dauern. Beobachte Kot, Fressverhalten und Energie täglich.
Welches Futter ist für Tierschutzhunde aus dem Ausland besonders geeignet?
Monoprotein – eine Proteinquelle, weniger Risiko
Da viele Tierschutzhunde keine klare Futterhistorie haben, weiß man oft nicht, auf welche Zutaten sie reagieren könnten. Monoprotein-Futter mit nur einer tierischen Eiweißquelle macht die Ernährung transparent und reduziert das Risiko allergischer Reaktionen erheblich.
Leicht verdaulich und getreidefrei
Ein belasteter Darm braucht Futter, das er gut verarbeiten kann. Getreidefrei bedeutet: weniger Füllstoffe, mehr echte Nährstoffe. Gut verdauliche Kohlenhydratquellen wie Kartoffel oder Süßkartoffel schonen den Magen-Darm-Trakt.
Purinarm – besonders bei Leishmaniose
Wenn dein Hund an Leishmaniose erkrankt ist und mit Allopurinol behandelt wird, ist eine purinarme Ernährung medizinisch notwendig. Allopurinol hemmt den Purinabbau – ohne purinarmes Futter kann es zur Bildung von Xanthinsteinen in der Blase kommen. Dabei immer tierärztliche Rücksprache halten.
Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien
Diese Nährstoffe unterstützen das Immunsystem, das gerade bei Tierschutzhunden häufig geschwächt ist. Lachsöl oder natürliche Omega-3-Quellen im Futter sind ein echter Mehrwert.
Das richtige Futter von miba für deinen Tierschutzhund
Wir wissen aus eigener Erfahrung, wovon wir hier reden.
miba wurde 2024 gegründet – nicht weil wir eine Marktlücke gesehen haben, sondern weil wir selbst vor dem Problem standen. Unsere beiden Katzen Millie und Balu kamen 2021 als Straßenkatzen aus der Türkei zu uns, vermittelt über unsere Partnerorganisation Kitmir Tierhilfe Demirtaş e.V.. Beide hochallergisch, beide mit einer Geschichte, die im Napf deutliche Spuren hinterlassen hatte.
Die Suche nach dem richtigen Futter war frustrierend. Lange Zutatenlisten, versteckte Proteinquellen, keine klaren Antworten. Also haben wir unsere Rezepturen selbst entwickelt: eine Proteinquelle, echte Zutaten, kein Getreide, keine unnötigen Zusätze. Futter, das Probleme löst – nicht schönredet.
Genau das bieten wir auch deinem Tierschutzhund.
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Häufige Fragen zu Tierschutzhunden aus dem Ausland
Muss ich meinen Auslandshund direkt zum Tierarzt bringen?
Ja – und das am besten innerhalb der ersten Tage nach der Ankunft. Ein vollständiger Mittelmeercheck mit Blutbild und serologischen Tests auf gängige Infektionskrankheiten ist für jeden Hund aus dem Auslands-Tierschutz empfohlen. Viele Erkrankungen zeigen zunächst keine Symptome.
Was sind Mittelmeerkrankheiten beim Hund?
Als Mittelmeerkrankheiten bezeichnet man eine Gruppe von Infektionskrankheiten, die vorwiegend in wärmeren Regionen durch Sandmücken und Zecken übertragen werden. Die wichtigsten sind Leishmaniose, Ehrlichiose, Babesiose, Anaplasmose, Herzwurm (Dirofilariose) und Hepatozoonose. Sie verlaufen oft lange symptomfrei.
Welches Futter ist für Hunde mit Leishmaniose geeignet?
Bei Hunden, die mit Allopurinol behandelt werden, ist eine purinarme Ernährung wichtig. Monoprotein-Futter mit einer einzigen, gut verdaulichen Proteinquelle ist ideal – zum Beispiel Insektenfutter oder Huhn mit Kartoffel.
Sind Hunde aus dem Ausland ansteckend für andere Hunde oder Menschen?
Die meisten Mittelmeerkrankheiten werden durch Insekten oder Zecken übertragen – nicht direkt von Hund zu Hund oder von Hund auf Mensch. Leishmaniose zum Beispiel gilt als Zoonose (kann theoretisch Menschen befallen), aber eine direkte Übertragung vom Hund auf den Menschen ist in Deutschland nicht dokumentiert.⁶ Bei immungeschwächten Menschen (z. B. Kinder, Schwangere, ältere Personen) empfiehlt es sich, im Zweifelsfall den Tierarzt zu fragen.
Quellen
¹ ESCCAP Deutschland: Krankheiten bei Hunden aus dem Ausland – Übersicht häufiger importierter Infektionen; www.esccap.de
² ESCCAP Deutschland: Welche Krankheiten können Hunde aus dem Ausland mitbringen?; www.esccap.de
³ Naucke T. (2007): Leishmaniose – Einzug in Deutschland. Tierärztliche Umschau 62, 495–500.
⁴ 4Pfoten-Welt.de: Ernährungstipps für Hunde aus dem Tierschutz – Expertenhinweise zur Eingewöhnungsphase.
⁵ Lyra Pet: Futterumstellung beim Hund – Ratgeber, Empfehlungen zur schrittweisen Futterumstellung.
⁶ Parasitus ex e.V. / VETO Tierschutz: Leishmaniose beim Hund – Übertragungswege und Risiken für Menschen.